Verzichten oder zahlen

Discussion in 'German' started by Heaven, Jan 26, 2005.

  1. Hagen

    Hagen Member

    Bildung sollte für alle frei bleiben. Und was Ausstattung - und vor allem Organisation - der Unis betrifft, möchte ich mich YinYangFish anschließen. Gerade im technischen Bereich sind viele Studiengänge sehr locker organisiert und es erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, damit richtig umzugehen. Ich halte nichts von festen Stundenplänen, Anwesenheitspflicht usw. wie in Schulen, aber z.B. mit besserer Betreuung von Studienanfängern wäre schon einiges getan.

    Mit meinem Posting oben will ich nur sagen, dass die Gebühren aus rein finanzieller Sicht nicht nötig sind, Schuldenberg hin oder her.

    Wie wär's mal, Unternehmen ab einer gewissen Größe bzw.Anzahl beschäftigter Akademiker, zur Bildungsförderung zu verdonnern?
     
  2. ~grof~

    ~grof~ Member

    "Wie wär's mal, Unternehmen ab einer gewissen Größe bzw.Anzahl beschäftigter Akademiker, zur Bildungsförderung zu verdonnern?"

    das passiert ja durch die Einführung von Gebühren indirekt. Der Student bekommt einen Kredit, den er später als Erwerbstätiger zurückzahlt (von dem Geld seines Arbeitgebers).
     
  3. Hagen

    Hagen Member

    Gibt es denn schon konkrete Ausführungen, wie das in den einzelnen Ländern gehandhabt werden soll? Ich muss gestehen, dass ich mich in letzter Zeit nicht näher mit dem Thema befasst habe, nur nach den obenstehenden Beiträgen klingt es nach im Voraus erhobenen Gebühren (Eltern können es sich nicht leisten usw...) .
     
  4. YinYangFish

    YinYangFish Senior Member

    Die Tendenz ist, dass die CDU-regierten Länder Gebühren bis zu 500 Euro pro Semester sehr bald - sprich wahrscheinlich schon WS 05/06 - einführen werden. Die SPD-Länder schwanken zwischen Studienkontenmodellen und Gebühren für alle, die aus anderen Bundesländern kommen.
     
  5. sophie

    sophie Member

    das ist doch eine schwachsinnige argumentation, sorry wenn ich das so sage. aber wenn ich in zehn jahren das geld von meinem lohn zurückzahlen muss, dann zahle ich das von meinem geld und eben nicht die unternehmen. das wäre nur der fall wenn sie mir viel mehr geld zahlen würden, damit ich die schulden begleichen kann. demzufolge tun die unternehmen also nichts für ihre zukünftigen arbeitnehmer und ich finde es eine gute idee, da anzusetzen. schließlich sind die es auch, die von uns später profitieren werden. und in anderen ländern ist das ja schließlich auch gang und gebe!
     
  6. sophie

    sophie Member

    und gestern habe ich gelesen, dass sich die gebühren wohl langfristig bei ca, 2500 euro im semester einpendeln werden, da 500 euro zuwenig sein werden.


    und hier noch was interessantes, wenn nicht gar dämlich:
    Der Münchner Abendzeitung sagte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel: "Ein Studienbeitrag, der einen zweistelligen Betrag pro Monat nicht übersteigt, ist sicherlich nicht nur für Reiche, sondern ermöglicht vielen den Zugang zu den Hochschulen." Jeder Studierende könne "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben".
    (http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/jobkarriere/berufstudium/special/376/46330/index.html/jobkarriere/berufstudium/artikel/813/46767/article.html)


    na das wär doch was, oder? in bayern gibts also für eine nachhilfestunde 50 euro haha - kein wunder, dass die die gebühren als erste einführen! ;)
     
  7. Flowerian

    Flowerian Senior Member

    Das heißt also für mich als baldigen Erstsemester aus Bayern dass ich auf jeden Fall löhnen muss - in Bayern sowieso und in den andern Bundesländern, weil ich aus Bayern komm. Ganz großes Kino.
     
  8. YinYangFish

    YinYangFish Senior Member

    Naja. Aber das mit den 2500 Euro - da glaube ich noch nicht dran. Das kommt - wenn überhaupt - frühestens, wenn es große Kreditprogramme gibt, und auch dann nur an einzelnen Unis.
    Was die 100 Euro betrifft (500 Euro pro Semester macht etwa 84 Euro pro Monat), da sehe ich schon eher schwarz. Wenn verzichten nicht geht, aber eh schon zuverdient wird, will die Politik nämlich am Ende dann entweder einen Teil vom Bafög wieder zurück oder - noch besser - das komplette Kindergeld, weil der Grenzbetrag überschritten ist. Ich habe den dieses Jahr auch nur um knapp 100 Euro oder so verfehlt (der Zuschuss vom Bafög zählt da ja auch dazu!).
     
  9. Kastenfrosch

    Kastenfrosch Blaubeerkuchen!! HipForums Supporter

    ich denke wenn die studiengebühren kommen, müssen eine menge änderungen in sachen bafög, sozialhilfe und sonstigen "programmen" kommen. Ich meine es ist zum beispiel seit dem das arbeitslosengeld II auf dem markt ist, ein großes problem fü bafög empfänger die kinder haben. für die konnten sie bisher sozialhilfe bekommen, das fällt jetzt weg. Und mit den studiengebühren wird das noch viel schlimmer, nicht nur für "randgruppen" wie studierende eltern.


    Das wird noch ein ganz schönes chaos geben, bis das alles irgendwie organisiert ist, und wir dürfen das ausbaden, weil die länder ja alle möglichst bald geld haben wollen, und eine sozialverträgliche lösung sicher mehr zeit braucht als 6 monate....

    in tiefer bestürtztheit

    ~fröschle
     
  10. sophie

    sophie Member

    Ich weiß nicht, ob das hier schon irgendwo gefallen ist, aber 500 Euro sind die unterste Grenze. Das heißt wenn die Gebühren weniger als 500 Euro betragen würden, wären die Verwaltungsausgaben höher als die Einnahmen und das wiederum heißt, dass von den 500 Euro nur ein winziger Teil bei den Unis ankommt. Geldknappheit also noch nicht überwunden - was folgt? Erhöhung der Gebühren :( in den meisten anderen Ländern liegen diese ja auch höher als 500 Euro ... Deswegen glaube ich das dem Typen mit den 2500 Euro schon mehr oder weniger gerne :mad:
     
  11. sophie

    sophie Member

    ja tani, ich find's auch ne frechheit, dass die finanzierungsmöglichkeiten nicht vor der gebühreneinführung fest steht :( schließlich sind die gebühren ja schon schlimm genug!
     
  12. sophie

    sophie Member

    hmm ich glaube ich finde das in ordnung, heisst glaube ich solidarität, so wie alle eben auch in die rentenkasse einzahlen (außer die guten beamten) etc., außerdem hat jeder etwas davon, wenn es in deutschland noch einige wenige gebildete leute gibt, kann ja wohl nicht verkehrt sein, oder? ;)


    in der regel


    ein gehalt höher als die rückzahlsumme? also ich habe auch studierte freunde, die gerade einmal 1000 euro netto im monat verdienen, das ist nicht viel.


    deutschland ist nicht pleite, es ist im grunde genug geld für alle da - nur an der verteilung hapert es ...


    hmmm, manchmal weiß ich nicht womit du mit deinen in den raum geworfenen stichworten hinargumentieren willst. hier jedenfalls finde ich, dass es zeit wird, dass sich unternehmen auch stärker an der universitären ausbildung beteiligen


    was alle machen, muss ja nicht immer unbedingt gut sein ;)


    oh halt, wieder diese elende streiterei, dass mit studiengebühren plötzlich alles toll sein wird. ich hab mir schon den mund fusslig geredet darüber wieviel von dem geld bei den unis ankommt etc. man kann dieses ziel auch mit a)mehr eignungstests und b) stärkerer einbindung der unternehmen erreichen.


    also wenn man bafoeg bekommt, hat man schon lange keine überlangen studienzeiten mehr vor sich ... und wie mache ich, wenn ich nebenher noch 20h die woche arbeiten muss, um die gebühren bezahlen zu können?


    stattdessen lieber gut betuchte studenten vs. intelligente studenten? gut, es gibt genug eingeschriebene nicht-studenten, aber die wird man auch anders los, da muss man nicht gleich die gesamte studentenschaft mit gebühren bestrafen, wobei das ja auch nicht der zweck gewesen ist.


    ich weiß nicht, ob das wirklich der grund ist. als lediger bleibt dir zur zrit immer noch mehr übrig als vielleicht einer alleinerziehender mutter mit zwei kindern?


    ich finde chancengleichheit okay. und wie gesagt, ich würde den zugang eher über eignungstests als über geld regulieren. da gibt es dann eine wirkliche elite und keine pseudo-elite.


    das liegt vielleicht daran, dass das für und wider schon vor zwei jahren abgekaut wurde, als die gebühren noch als verhinderbar galten? jetzt steht doch schon fest, dass sie kommen.


    wenn du nur etwas geradliniger argumentieren würdest ;)
     
  13. Heaven

    Heaven Senior Member

    *sophie zustimm*


    Ich hab bis jetzt nur "fürs" von Leuten gehört, die genug Geld im Geldbeutel haben. Komischerweise ist es für alle anderen nur eine Katastrophe oder das Ende des Studiums.
     
  14. ~Aglaja~

    ~Aglaja~ Member

    Hier mein Erfahrungsbericht:

    Ich zahle hier in Österreich knapp 400 Euro Studiengebühren pro Semester plus knapp 120 Euro für das Semesterticket (weil ich keine Österreicherin bin)

    Ich persönlich (bzw. meine Eltern) bin gerne dazu bereit, Studiengebühren zu zahlen, wenn mir dafür etwas geboten wird. Das ist hier an der Uni nicht der Fall und deshalb reg ich mich auch von Zeit zu Zeit über die Studiengebühren auf. Es hat sich nichts geändert: Die Hörsääle sind überfüllt, ich sitze regelmäßig auf den Stufen, ich muss lange auf Seminarplätze warten, wenn ich nicht eine hieb- und stichfeste Begründung für meinen Antrag auf ein bestimmtes Seminar habe (bei reinem Interesse kann ichs gleich vergessen), die Prüfungslisten sind voll und es gibt keinen Zusatztermin (nur in wenigen Ausnahmefällen), ich kann keine Sprachkurse machen, weil sie alle überfüllt sind. Eine geringe Chance auf einen Platz in einem Sprachkurs habe ich, wenn ich für ein bestimmtes Studium inskribiert bin (z. B. Spanisch - Romanistik)... ansonsten bleibt mir die Option 260 Euro für einen Sprachkurs zu zahlen.

    Desweiteren scheren sich einige Lehrenden einen Scheißdreck um die Studenten, weil sie nicht gut bezahlt werden.

    Ich warte in der Bibliothek über ein halbes Jahr auf ein Standardwerk der Ethnologie, von dem es gerade 1 (!!) Exemplar gibt. Es ist gerade ausgeborgt... und es sind zig Vormerkungen für dieses Werk. Also wart ich halt noch ein paar Monate!! Kürzlich passierte es, dass ich ein Buch benötigte, von dem es in der Bibliothek 3 (!!!) Exemplare gibt. Ich dachte mir: super! Eines von den dreien bekomm ich sicherlich! Nix da. Von den drei Exemplaren war kein einziges an seinem Platz!

    Wenn ich jetzt genauer nachdenken würde, fielen mir sicherlich noch weitere Beispiele und Mißstände, die ich als ganz normale Studierende, die fleißig ihre Studiengebühren zahlt, sozusagen auf "unterster Ebene", mitbekomme.


    "Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei" (!!!!!)
     
  15. sophie

    sophie Member

    wow! ist ja noch schlimmer als bei uns :eek: aber wir zahlen wenigstens (bis jetzt) noch nichts dafür ;)
     
  16. OpheliaBlue

    OpheliaBlue Member

    Das tut mir leid. [​IMG]

    Bald nur die reich kann zur Universität in Deutschland.

    Vielleicht das nicht eine schlechte Idee ist.
     
  17. YinYangFish

    YinYangFish Senior Member

    @Pit: Du sagtest, die Deutschen studierten das falsche. Bildungsexperten wissen aber, dass Bedarf kaum vorauszusehen ist, sondern man meist nur im Nachhinein darauf reagieren kann - nämlich wenn er schon da ist. Deswegen - und auch, weil die Wissenschaft frei und Bildung sinnvoll ist - soll doch weiterhin jeder studieren, was ihn interessiert. Sonst lernt es sich - erwiesenermaßen! - viel viel schwerer.
    Dass das natürlich nicht 100 Semester dauern darf, der Wert eines Studiums nicht genug geschätzt wird, und Studiengebühren helfen könnten, diese Schwierigkeiten zu beheben - keine Frage. Aber trotzdem: Studiengebühren sind Bildungsbarrieren. Und das muss soweit als irgend möglich vermieden werden. Sonst sinkt das Bildungsniveau. Und dass kann nicht im Sinne einer freiheitlichen Demokratie sein, die sich mündige Bürger wünscht.
     

Share This Page


  1. This site uses cookies to help personalise content, tailor your experience and to keep you logged in if you register.
    By continuing to use this site, you are consenting to our use of cookies.
    Dismiss Notice