Danke! Was mich etwas ratlos macht, wenn ich das lese, ist der Widerstand dagegen. Aber wahrscheinlich ist es bis jetzt einfach nicht gelungen, die Jugendlichen davon zu überzeugen, dass sie von diesen Kursen was haben. Was auch kein Wunder zu sein scheint - nach allem, was ich gehört habe, würde ich vielleicht auch sagen, dass das alles eh nichts bringt. Und von so einem Standpunkt aus ist der Schritt zur Krawalle nicht mehr weit...
Es gibt einfach keine funktionierende Kommunikation. Und man ist irgendwie in einem Gebiet gefangen, wo's nur so aussieht, und mit den andern kann man sich auch nicht unterhalten, und wenn dann irgendetwas kommt, dann traut man dem nicht, weils den andern gut geht, und man sie nicht versteht. Und es ist uncool zum Sprachkurs zu gehen, einfach weil das Feindbild zu tief drin sitzt. Man hatte die Abfahrt in den 70ern verpasst, leider. Aber es gibt auch gute Beispiele für ein Gelingen. In Deutschland ist die Frustration genausoweit fortgeschritten, aber weil es keine so große Kommunikationsbarriere gibt, ist die Katastrophe bislang ausgeblieben. Wenn die Frustration allerdings steigt, geht das alles dennoch los, ganz zu schweigen davon dass es jetzt mit dem Radau in Frankreich ein Vorbild der Gewalt gibt.
@Green Shades: Also mit Gandhi hast Du wahrscheinlich recht. Aber sonst find ich Deine Haltung sehr pessimistisch, auch wenn ich hier eher reflexhaft optimistischer bin, ohne dafür wirklich gute Gründe nennen zu können. Man müsste mal prüfen, ob die Perspektiven hier besser sind, die Integration doch besser klappt usw. Aber dafür bräuchte man auch die entsprechenden Mittel...
klar, die stecken der polizei auch glatt blumen in die knarren. scheint so, als hätte es sich peacig in der ecke hocken doch nicht ausgezahlt, sonst würden es doch ganz viele aus protest tun anstatt erstmal irgendwas anzuzünden, meinst du nicht auch?
Deinen Zynismus in allen Ehren, aber Gandhi hat weder Blumen in Knarren gesteckt noch peacig in der Ecke gehockt. Du musst da was verwechseln...
nee, der nicht, aber andere, irgendwelche nonames, damals wie heute. wie dem auch sei, ich meine das nicht zynisch, sondern ernst. es gibt dieses buch, lokalisiert von der geschichte her auch in paris, wo jugendliche eine friedliche revolution starten wollen und quasi ihre eigene kommune gründen für ein paar tage - und selbst da schreitet die polizei mit gewalt ein, weil dieses friedliche besetzen von häusern und das friedliche feiern auf straßen eine erregung öffentlichen ärgernisses ist. und das ist nur in einem buch, wie ist es dann wohl mit der realität bestellt? und nein, ob ich für oder gegen gewalt bin steht nicht zur debatte, wär ich dafür wär ich wohl kaum hier.
wusst ich doch, dass ich das schonmal gelesen hatte. hier ist der artikel zum wortschatz aus dem spiegel, falls es jemanden interessiert SPIEGEL ONLINE - 08. Juni 2005, 09:43 URL: http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,359343,00.html Vorstadt-Slang Wenn die Sprache zum Ghetto wird Manche Jugendliche aus französischen Satellitenstädten kommen Linguisten zufolge mit einem Wortschatz von 250 Wörtern aus - viel zu wenig, um sich eine Lehrstelle zu suchen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Spezielle Kurse sollen ihre Integrationschancen verbessern. Der Slang der Vorstädte hat in Frankreich längst seinen Weg ins allgemeine Vokabular gefunden, und wer als cool gelten will, lässt hin und wieder ein Wort dieser Sprache fallen. Doch für die jungen Menschen in den Satellitenstädten ist ihr Jargon längst zum Gefängnis geworden. "Mit einem Wortschatz von 250 Wörtern kann man keine Lehrstelle suchen", sagt Linguistikprofessor Alain Bentolila von der Pariser Sorbonne. 70.000 junge Leute gehen jährlich von Frankreichs Schulen ab, ohne lesen und schreiben gelernt zu haben. Viele junge Franzosen brauchen Französisch-Unterricht, "um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden", stellt Marie-France Caillat fest. Als Lehrerin an einem Jugendzentrum in Grenoble bietet sie derartige Kurse an. Betroffen sind laut Bentolila nicht ausschließlich Einwandererkinder. "Diese Ghettos gründen sich auf einen einzigen gemeinsamen Nenner: die Armut", erklärt der Forscher. In den Sozialbauten der Vorstädte seien Menschen zusammengepfercht, die in "völliger Unsicherheit über ihre Herkunft und ihre Zukunft leben". Das räumliche Ghetto führt nach den Erkenntnissen des Linguisten von selbst in ein sprachliches Ghetto: "Je näher Sie jemandem stehen, desto weniger Wörter brauchen Sie, um sich mit ihm auszutauschen. Diese Leute haben alles gemeinsam - und einander deswegen nicht viel mitzuteilen." Geheimsprache schottet ab Das Ergebnis ist eine Art Geheimsprache, die von Außenstehenden nicht verstanden wird und sich sogar von Vorstadt zu Vorstadt unterscheidet. So verwenden die Jugendlichen in den Satellitenstädten des Départements Val d'Oise nordwestlich von Paris für "Frau" das Phantasiewort "darzouze", das weder aus dem Arabischen, Kreolischen, der Berbersprache noch gar dem Französischen stammt. Schon wenige Kilometer entfernt kann niemand etwas mit diesem Ausdruck anfangen. In der Sprache der übrigen Gesellschaft, die die Jugendlichen brauchen, um Arbeit zu suchen oder ein Bankkonto eröffnen, "sind sie aus der Übung", sagt Caillat. Das Jugendzentrum der Fördereinrichtung CODASE, in dem sie unterrichtet, nimmt jeweils für ein Jahr Jugendliche ab 14 Jahren auf, die von der Schule geflogen sind und damit jegliche Aussicht auf ein normales, selbstständiges Leben verloren haben. Auch Caillat hat Unsicherheit als gemeinsamen Nenner der jungen Leute ausgemacht: "Sie glauben, dass sie sowieso nichts schaffen können." In dem Jahr am Jugendzentrum geht es um "Reparaturarbeit", sagt Caillat. Zwar haben alle dieser Jugendlichen mehrere Schuljahre auf dem Buckel, dennoch müssen sie ganz von vorne anfangen: "Ich will lernen, gut Französisch zu sprechen", sagte die 14-jährige Sihem in einem kürzlich erschienenen Interview. "Dann kann ich mein Leben meistern und einen Beruf lernen." Ziel ist die Zweisprachigkeit Auf den Slang brauchen die jungen Leute dabei nicht zu verzichten, sie wünschen sich sogar "zweisprachig" zu werden, erklärte ein anderer Junge im Jugendzentrum von Grenoble in einer Fernsehreportage. Dafür müssen sie ihren Wortschatz gewaltig erweitern: Ein Durchschnittsfranzose verfügt Bentolila zufolge über 2500 Wörter. "Die jungen Leute lieben es, neue Wörter zu lernen", sagt Caillat, die mit ihren Schülern häufig Scrabble spielt. Die Fähigkeit, sich auszudrücken, könne sogar unmittelbar dazu beitragen, Jugendliche vor der Straffälligkeit zu bewahren, sagt die Lehrerin. "Wenn ich über Worte verfüge, kann ich meine Not beschreiben" - anstatt sie in ohnmächtiger Wut mit Gewalt zu äußern. [size=-2]Wer sich ausdrücken kann, wird weniger schnell gewalttätig.[/size]
@Nihila: So platt sind meine Aussagen ja dann auch wieder nicht, dass ich Dir unterstellen würde, Du wärest für Gewalt. Ansonsten - naja, dass Menschen, die friedlich und fröhlich sind, heutzutage eine Provokation sein können, das ist traurig, aber wohl mehr als oft die Wahrheit. Die Menschen sind schon komisch geworden. Aber vielleicht werden sie das irgendwann erkennen - wohl nur, wenn manche Menschen trotzdem friedlich und fröhlich sind - und damit deren Grenzen im Kopf überschreiten, um an den Titel dieses Threads anzuknüpfen. @Green Shades: Ich habe gerade gelesen, dass die Unruhen sich letzte Nacht weiter verstärkt haben - zumindest sind die Auswirkungen in kaputten Autos gezählt noch höher als zuvor. Und ich hab auch gelesen, dass es auch in Toulouse Auseinanandersetzungen gab. PS: Hat nicht jemand nach Cohn-Bedit gefragt? Der wird einen aktuellen Artikel auch zitiert: Únser wahrscheinlich kommender Innenminister Schäuble ist in diesem Artikel auch eher zuversichtlich, während der bayrische Obersheriff - ähmmm... Innenminister - Beckstein mal wieder die Parallelgesellschaft beschwört.
Wissen wir das? Das Problem mit Berichterstattung ist doch immer, das nur das Wahrgenommen wird, was auch in den Medien präsent ist. Villeicht haben sich einige mal friedlich aufgemacht. Nur Wissen wir es nicht, weil es nie in den Nachrichten kam, weil es nicht späktakulär ist. Eine andere, bessere Hypothese ist aber, daß ich glaube, daß zum Frieden Bildung notwendig ist. Kommunikation. Und genau diese Bildung scheint zu fehlen. Also können die villeicht gar nicht anders als Draufhauen. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß in solchen Gegenden Konflikte konstruktiv gelöst werden, und wenn man schon von klein auf lernt, daß Konflikte mit Fäusten zu regeln sind, dann können die wirklich nicht anders.
wenn ich jetzt meine minung dazu abgeb gibt es wieder einen streit im forum und das will ich nicht also halt ich mich da einfach zurück
das unterschreibe ich. es gibt ja schon innerhalb menschengruppen aus der gleichen "schicht" unterschiede, wenn man jetzt rein vom gehalt der eltern ausgeht, die kinder können alles haben, wurden recht verwöhnt, aber jedes kind schlägt einen anderen weg ein. das eine geht ins labor, das andere in die verwaltung, das nächste ins kaufmännische, das vierte in die werbeagentur als bürogehilfin allerdings und das fünfte hat als einzigstes das abi gemacht und studiert. innerhalb eines jahres werden die kommunikationsbarrieren ein wenig höher, nach 2 jahren schütteln sie zumindest über das laborkind und das unikind den kopf und die wiederum über die anderen. alle sitzen, obwohl sie aus ähnlichen verhältnissen kommen, nicht mehr im selben boot. und wenn das schon innerhalb einer schicht passiert, wo alle aus einer ähnlichen ausgangssituation kommen, dann ist es ja wohl klar, dass es erst recht da passieren kann, wo die verhältnisse um einiges krasser sind. und menschen sind halt menschen - und sie haben deshalb fehler, sind impulsiv, denken manchmal erst nach dem handeln. da ist es nicht weit her mit dem frieden schaffen. wir, wir können uns spreizen wie der pfau mit seinem rad, wir mit unserem studium und einem netzwerk aus leuten die uns verstehen. aber andere finden so ein verständnis z.b. halt aufgrund der sprachbarriere oder der bildung erst gar nicht...
Das find ich schade. Beides: Zum einen, dass Du Dich zurückhälst, obwohl Deine Meinung doch genauso spannend, interessant und wichtig ist wie die von allen anderen. Zum anderen, weil Du Dir Sorgen machst, dass das Streit gibt. Selbst wenn wir verschiedener Meinung hier sind und kontrovers darüber "streiten", ist das ja nichts schlechtes. Letztlich kann da jede(r) was draus lernen, der/die mitmacht. Und solange wir dabei nicht persönlich verletzend werden, steht dem auch wenig im Weg, oder? Nur Mut, auch wenn da auch mal Widerspruch kommt.
aber naja mal ganz im ernst: wie kann man in unserer gesellschaft noch großartig anders aufmerksamkeit auf sich ziehen als mit gewalt?
1. @Sophie Warte... ... mit der Wahrheit natürlich 2. @Sophie Schöner Artikel den du aufgetrieben hast, er redet von der gleichen Problematik, die auch meiner behandelt hat. Beide stammen etwa aus der gleichen Zeit um Mai - Juni diesen Jahres. Dank dir! : ) 1. @Yinyang: Äh. Ich lebe noch, was mich ehrlichgesagt auch etwas verwundert. Angeblich hat hier letzte Nacht eine Bibliothek gebrannt. 2. @Yinyang: Soeben ereilte mich die Mitteilung, dass bereits die Autos in Berlin und Bremen anfingen Feuer zu fangen. Ich fürchte, ich hatte sogar noch zu optimistische Projektionen... An optimist thinks that this is the best of all worlds. A pessimist fears that this is true. Und langsam werde ich wütend, weil ich mir Gedanken machen muss, ob ich noch risikofrei in die Stadt fahren und mir ein Konzert anhören kann. Wenn dass so weitergeht muss ich mein Fahrrad noch panzern und brandsichere Radschläuche aufriggen.
haha ok der dieter zählt nüsch, das is ja zu einfach die wahrheit schockiert heute sowieso niemanden mehr....... wenn sie überhaupt ernst genommen werden sollte mach doch einfach mit, du weisst schon: solidarität und so wenn's geht halt nich in der ersten reihe, kommt net so gut. aber ein paar molotow-cocktails werfen auf dem weg nach hause... kommst bestimmt bei ein paar leuten vorbei, denen du so ein teil schon immer ins auto werfen wolltest
ich denke, das problem ist, dass den kids dort niemand zuhört. dass man sie nicht ernst nimmt und sie sich deshalb an den rand gedrängt fühlen. und womit versuchen sich alle randgruppen dann wieder zu helfen? - mit gewalt. das ist der letzte hilfeschrei wenn vorher die ohren der machthaber taub blieben. dennoch vertrete ich hier nach wie vor meine meinung: man kann nie gutes erreichen in dem man böses tut. sprich: mit gewalt schafft man keinen frieden und keine positiven verhältnisse.
@sophie: Dass Menschen auch ohne Gewalt viieeeellll erreichen können, haben Aktivisten wie die von Greenpeace schon mehrfach bewiesen. Allerdings erfordert das Mut und Engagement, wo dann am Ende keine Hintertür zum Abhauen mehr bleibt. Wer ein Moli wirft, kann dann schnell abhauen. Wer auch einer Bohrinsel sitzt, der sitzt da erstmal... Heaven hat da ganz recht: Wer keine anderen Alternativen sieht, der greift zur Gewalt. @Green Shades: Oh ja, in Berlin und Bremen. Aber das waren sechs Autos oder so - im Gegensatz zu gut über 1000 in ganz Frankreich. Mir klingt das BIS JETZT eher nach Trittbrettfahrern! --- Ansonsten: Pass auf Dich auf! Und schick Fotos von Deinem Panzerfahrrad!