Schwester und Hure

Discussion in 'German' started by Nihila, Feb 14, 2005.

  1. Nihila

    Nihila Member

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    es ist nicht nur literaturwissenschaftlern bekannt, dass franz kafka ein frauenproblem hatte. man kann es sogar nachlesen. das dilemma zwischen schwester und hure. man hört darüber, liest, lacht und glaubt es nicht, bis man seiner umwelt etwas mehr aufmerksamkeit schenkt. kafka beschreibt einmal dieses dienstmädchen in "amerika", welches den protagonisten verführt, oder diese absolut ekelhafte frau die nur auf dem sofa rumliegt in der selben erzählung. hassenswerte, eklige, schlechte frauen. und dann, in "die verwandlung", die schwester, die die einzige ist, die sich noch um ihren bruder gregor kümmert nachdem er ein käfer geworden ist und ihn nicht aufgibt wie die eltern.
    und selbst wenn man die geschichten nicht kennt, noch nie etwas von kafka gehört hat, geschweige denn von dem schwester-hure-dilemma, merkt man, was gemeint ist. nicht jeder, nicht immer, aber wenn man aufpasst und beobachtet, horcht, dann stellt man es fest: dieses dilemma ist allgegenwärtig.
    nehmen wir uns zuerst die schwester vor. mit ihr kann man pferde stehlen. sie ist immer für einen (und mit "für einen" ist in dem fall vor allem der mann gemeint) da. sie trägt ihr herz auf der zunge. mit ihr kann man lachen und perverse wörter aus buchstabenkeksen legen. sie würde aus spaß zu einem abendkleid dreckige arbeiterstiefel tragen und damit selbstbewusst durch den raum tanzen. sie isst normal und gern mal ungesund, pflegt sich, aber nie so, dass man die make up schichten einzeln abkratzen kann. oft war sie in der teenagerzeit hässlich, beziehungsweise kam sich so vor, aber als sich das herauswuchs fiel sie mehr auf als die, die schon immer "schön" waren. wenn sie tanzt, auf einer party oder einem konzert, dann ohne dieses "schau her, hier bin ich!"-gehabe. ihr ist eine eigene erotik inne, die sie selbst nicht mal bemerkt, weder extra unterstreicht. und deshalb wird sie in der verschnaufpause zwischen zwei liedern nicht nur von den schönlingen, sondern auch von den schüchternen angesprochen. sie ist nie wirklich vorsätzlich gemein. kurz: sie ist der mensch, mit der man(n) ins kino geht, sich bei ihr ausheult, sie auch mal verwöhnt und von der er nie loskommt, da sie immer da ist.
    und nun die hure. sie war schon immer schön, auf ihre art. sie unterstreicht dies in passenden kleidungsstücken, passender schminke. oder passenden aktionen. sie ist nicht das, was man brav nennt. sie hat ihre erfahrungen, ob es um sex oder drogen geht. alle nennen sie eine schlampe, doch trotzdem fällt sie auf, trotzdem ist sie die angehimmelte, von der man leise, zwischen abscheu und anziehung, spricht.
    sie ist diejenige, über die der mann sich aufregt und zu der er nachts unter seiner decke doch ganz spezielle fantasien hat.
    sie ist die, die rettungs- sowie prinz-und-prinzessin-fantasien beim mann heraufbeschwört. man sieht sie kaum essen. man bekommt nicht mit, dass sie krank ist, auch wenn es ihr sehr schlecht geht. die krankheit, ob gestörtheit, drogensucht, essstörung macht sie sogar schöner. sie schweigt, blickt. sie ist gemein, stößt weg, hasst, nimmt, gibt selten und wenn dann nur wenn es ihr etwas nützt. sie stellt man ungern seinen eltern vor. trotzdem kommt man auch von ihr nicht los. und auch sie ist immer da.
    und da ist der geplagte mann, legt perverse wörter aus keksen mit der schwester, lacht, knuddelt sie, schaut sie lieb an. und die schwester macht sich nach einiger zeit heftige hoffnungen. aber da sie diesen mann nicht verlieren will, sagt sie nichts, leidet stumm. und irgendwann leidet sie dann halbwegs laut vor einer freundin, nachdem der typ sie irgendwann verwirrt angesehen hat und meinte, er hätte doch nie gefühle für sie gehabt. und sie, stark wie eh und je, zeigt erst im leid mut zur hässlichkeit bevor sie dann wieder erstrahlt. und er, auf ewig hin-und hergerissen, rennt zu der, die nie zeigen würde, wie hässlich sie sein kann. sie, die wie ein filmstar ist, die niemals isst und schon gar nicht ungesund, die nicht krank ist, die ewig nörgelnde aber doch angebetete. die kranke. es ist seltsam mit anzusehen, wie jemand einen vollkommen tollen menschen für eine lebende, drogensüchtige vorlage für gewisse fantasien fallen lässt. vor allem für die normale beobachtende durchschnittsfrau. wie kann das nur sein?

    - FORTSETZUNG FOLGT! -
     
  2. Nihila

    Nihila Member

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    männliche schizophrenie? jede frau wüsste, wäre sie an des mannes stelle, wer zu wählen wäre. warum, bitte, weiß der mann dies nicht?
    warum?
    dann gibt es aber auch noch einen anderen typ mann. dieser ist lustig, aufgeweckt und wirkt selbst am düstersten regentag wie eine 10000000-watt-sonne. er sieht gut aus, ist manchmal etwas verfreakt, aber eine sehr treue seele. aber die schwester beachtet ihn nicht. die hure schon gar nicht, denn er ist zu klug für sie. die schwester beachtet ihn nicht, weil sie schon hilflos dem anderen verfallen ist.
    aber was tut der? er lässt sie für jemanden fallen, mit der man in künstlerischen berufsbranchen aufmerksamkeit erregt, da sie sowieso schon wirkt als äße sie nicht mehr als ein model und eventuell auch genau so voll drogen ist. mit ihr hat er keinen spaß außer in einer angelegenheit. aber als mittel zum beachtetwerden ist sie exellent. die schwester passt da einfach nicht hin. sie ist zu sehr sterblich. zu sehr mensch und zu sehr sie selbst.
    was so eine denkweise über den typ aussagt, muss wohl nicht erwähnt werden. dass er, trotz vielleicht hochschulstudium, total dumm ist. ganz abgesehen davon, dass man bedenken muss, dass er doch irgendwann wieder bei der ewig verzeihenden schwester landet, die ihn pflegt wenn die andere ihn ausgesaugt hat wie ein vampir.
    aber da ist der andere. im hintergrund. er ist der, der der schwester die tür aufhält, ihr über eine vereiste stelle hilft oder auch sonst gern als stüze fungieren würde, würde sie ihn endlich erhören.
    er ist der, der ihr über die arme streicht wenn ihr kalt ist oder ein multitool hervorzaubert, ist eine schere von nöten. und sie beachtet ihn immer noch nicht.
    dabei ist er es, dessen große stunde kommen wird, sobald der andere sie mal wieder total hat hängenlassen. dann ist er es, der ihr aufstehen hilft und dafür sorgt, dass sie nicht zurückschaut. er ist für sie da. wärend der andere sie genau an der stelle hat hängenlassen, vielleicht, an der sie antworten und nägeln mit köpfen gebraucht hätte.
    und da ist die hure, die ihm das herz aus dem leib reißt, gemein ist. und er sehnt sich nach der schwester, nach ihrer unaufdringlichen erotik und ihrem herz auf der zunge, mit dem sie jeden eingeschlossen hat, bis er es zerbrach, weil sie nicht so war wie der traum, über den er nicht richtig nachgedacht hat, nur weil es ein sehr erotischer, gefährlicher traum war.
    und da ist die schwester. mit einem gebrochenen herzen, aber der hoffnung, die sie durch den anderen bekommt. vielleicht schließt sie nie wieder einen so in ihr herz, da es zu weh tut wenn es zerreißt.
    aber vielleicht kann der andere es ja wieder flicken und ihr den mut geben, der sie verlassen hat. und sie kann schwester sein. und wird endlich genau dafür warhaftig geliebt.

    - ENDE -
     
  3. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    Erst mal, toller Text, hoffentlich nicht nur dadurch entstanden, dass Du im Moment gewaltig den Blues hast. Was mir nach dem durchlesen als erstes durch den Kopf ging, ist, dass es in der Literatur geht, Frauen bloss auf Schwester oder Hure zu reduzieren und stillschweigend vorraus zu setzen, dass eine Hure immer Hure bleibt und eine Schwester immer Schwester. Im wirklichen Leben habe ich es oft genug erlebt, dass von einem Moment zum anderen eine Hure zur Schwester oder eine Schwester zur Hure werden konnte, wenn ich es auf die zwei Stereotypen reduziere und die ganze sonstige Vielfalt, was Frauen alles sein können, ignoriere.


    What Do You Want From Life? - The Tubes 1975

    What do you want from life
    To kidnap an heiress
    or threaten her with a knife
    What do you want from life
    To get cable TV
    and watch it every night

    There you sit
    a lump in your chair
    Where do you sleep
    and what do you wear
    when you're sleeping

    What do you want from life
    An Indian guru
    to show you the inner light
    What do you want from life
    a meaningless love affair
    with a girl that you met tonight

    How can you tell when you're doin' alright
    Does your bank account swell
    While you're dreaming at night
    How do know when you're really in love
    Do violins play when you're touching the one
    That you're loving

    What do you want from life
    Someone to love
    and somebody that you can trust
    What do you want from life
    To try and be happy
    while you do the nasty things
    you must

    Well, you can't have that, but if you're an American citizen you are entitled to:
    a heated kidney shaped pool,
    a microwave oven--don't watch the food cook,
    a Dyna-Gym--I'll personally demonstrate it in the privacy of your own home,
    a kingsize Titanic unsinkable Molly Brown waterbed with polybendum,
    a foolproof plan and an airtight alibi,
    real simulated Indian jewelry,
    a Gucci shoetree,
    a year's supply of antibiotics,
    a personally autographed picture of Randy Mantooth
    and Bob Dylan's new unlisted phone number,
    a beautifully restored 3rd Reich swizzle stick,
    Rosemary's baby,
    a dream date in kneepads with Paul Williams,
    a new Matador,
    a new mastadon,
    a Maverick,
    a Mustang,
    a Montego,
    a Merc Montclair,
    a Mark IV,
    a meteor,
    a Mercedes,
    an MG,
    or a Malibu,
    a Mort Moriarty,
    a Maserati,
    a Mac truck,
    a Mazda,
    a new Monza,
    or a moped,
    a Winnebago--Hell, a herd of Winnebago's we're giving 'em away,
    or how about a McCulloch chainsaw,
    a Las Vegas wedding,
    a Mexican divorce,
    a solid gold Kama Sutra coffee pot,
    or a baby's arm holding an apple?
     
  4. Heaven

    Heaven Senior Member

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    Schwester, Schwester...

    oder die Fortsetzung des Dilemmas...


    Die Hure. Nach dem "Ideal" schön. Erweckt im Mann Phantasien. Ist die, die angesprochen wird, wenn sie mit der Schwester ausgeht.

    Die Schwester sitzt schweigend da, während sich Mann und Hure über ihren Kopf hinweg unterhalten, als wäre sie überhaupt nicht existent. Sie, der ewige Kumpel, das Mädchen von der dritten Bank, die Jungs höchstens ansprechen um die Nummer ihrer Freundin zu erfragen. Sie, die den Mann lieben würde, ihr ganzes Herz in seine Hände legen würde. Die sich ihrer schämt.

    Doch Mann sieht nur das optisch Schöne, Ästhetische, Perfekte. Er wird sich von der Hure in den Hintern treten, aber von der Schwester aufhelfen lassen um dann erneut der nächsten Hure vor die Füße zu fallen.

    Die Schwester fragt sich, ob sie dem Idealbild der Hure nachstreben soll, um nur einmal den Blick des Mannes zu gewinnen. Sie hört auf zu essen.

    Doch Mann hat sie längst vergessen. Die Schwester wird sich in ihr Zimmer zurückziehen und sich vor Schmerz kaum noch rühren können.

    Wohingegen die Hure sich an einem neuen Spiel versucht um ihr Spielzeug dann wieder fallen lassen zu können.

    Da Mann nicht Hure haben kann, wird er irgendwann doch mal zur Schwester kommen und sie heiraten.

    Ende gut, alles gut.

    *kuss* Sabine
     
  5. sophie

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    ja so in etwa könnte ich mir das auch vorstellen: hure zum spaß haben, feiern, rühmen und die schwester zum heiraten ;) weil immer streß kann sich auch ein mann nicht leisten ;)
     
  6. Nihila

    Nihila Member

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    @ jürgen: soweit alles in ordnung mit mir, ich bin da nur drauf gekommen, weil sich mir bekannte jungs immer so total gegensätzlich verhalten und weil ich an mein kafka-seminar denken musste *lol*
    ich komme einfach nicht mit dem "what a man wants" klar. ich meine, da sitz ich letzten sommer in diesem kurs mit 4 jungs und sonst nur mädchen und die dozentin fragt die jungs "was wollt ihr eigentlich?" nachdem wir einen text von wegen "what a man wants" gelesen hatten (in englisch, nicht in gender studies *g*). und alle jungs, allen voran derjenige, der mich das ganze semester über schon verfolgt hat und mich anschmachtete, sagen, sie wollen eine frau, die keinesfalls klüger ist als sie. nur, warum gucken sie dann ihren kommilitoninnen hinterher, die ja wohl nicht studieren um frau und mutter zu werden und die auch nicht zur uni gehen um nen mann kennenzulernen?
    ich verstehe gar nichts mehr.
     
  7. YinYangFish

    YinYangFish Senior Member

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    Der Mann - das unbekannte Wesen. :p Aber ich kann es Euch auch nicht beantworten, wo ich mich ja schon selber manchmal nicht verstehe. :confused:
    Das Leben ist eben manchmal doch komliziert.
    *Ende dieses ironisch-selbstkritsch-pseudophilosophisch-unnötigen Beitrags*
     
  8. ~Aglaja~

    ~Aglaja~ Member

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    Ich könnte mir vorstellen, dass Männer von einer Frau erwarten, dass sie alle Frauen in sich vereint...

    Einmal die Liebende, dann die gute Freundin.
    Die Beschützerin, und im nächsten Augenblick wieder die zu Beschützende.
    Die Lehrerin und die Schülerin... vielleicht auch die Mutter und die Tochter.
    Irgendwann wollen sie die Heilige und dann die Hure. Und so in einem fort. Vielleicht können oder wollen sie sich nicht mit einer einzigen zufrieden geben und müssen immer weiter suchen... sie wollen Abwechslung. Immer mehr. Am besten jeden Tag etwas Neues. Am besten jeden Tag eine Neue – um es mal ganz provokant zu formulieren (natürlich möchte ich hier jetzt nicht alle Männer über einen Kamm scheren). Höher und schneller und weiter. Immer weiter müssen sie sich hinauswagen bis sie irgendwann an eine Stelle gelangen, an der sie vielleicht erkennen, dass dieses ganze Streben und Suchen und Verlangen nach einem Traum eine Illusion ist. Vielleicht erkennen sie dann, dass „da draußen“ keine bessere auf sie wartet. Dass die Schwester im Grunde die einzige für sie war und ist und sein wird. Diejenige, die so ist, wie sie ist… weil sie sie selbst ist. Diejenige, die zu ihm passt, weil er sich selbst irgendwo dort draußen verloren hat - im unwirklichen Gewimmel der Huren. Und dann ist es möglicherweise zu spät. Dann ist auch die Schwester plötzlich eine Fremde – wie alle anderen Frauen um ihn herum. So wie auch er selbst schon seit langem ein Fremder ist.


    Ich weiß auch nicht. Es ist alles viel zu komplex, um das mal eben in Worte zu fassen.

    Simone de Beauvoir hat einmal irgendwo geschrieben: „’Bei uns beiden’, (sie selbst und Jean Paul Sartre), erklärte er mir unter Anwendung seines Lieblingsvokabulars, ‚handele es sich um eine notwendige Liebe: Es ist unerlässlich, dass wir auch die Zufallsliebe kennen lernen.’ Wir waren von gleicher Art, und unser Bund würde so lange dauern wie wir selbst; er bot jedoch keinen Ersatz für den flüchtigen Reichtum der Begegnungen mit anderen Wesen.“

    Ich finde, dieser Textausschnitt zeigt in gewisser Weise deutlich, wie unterschiedlich Mann und Frau denken… fühlen … handeln. Und er stammt von einem Menschen, der einstmals Teil eines „absoluten Traumpaares“ war. Ich glaube, Simone hat unter Sartres Polygamie extrem gelitten, wollte es sich vielleicht aber selber nicht so wirklich eingestehen. Er spricht von notwendiger Liebe und will natürlich auch noch die Zufallsliebe, das schnelle Abenteuer - seine unzähligen Affairen sprechen dafür. Sie hingegen – die wahrhaft Liebende – weiß, dass sie füreinander geschaffen sind und dass sie beide das „Zwillingszeichen auf ihren Stirnen tragen“. Also lässt sie all das über sich ergehen und billigt all das, was er tut, denn sie weiß, dass ihr Bund zwar fürs Leben ist, aber eben (für ihn) keinen Ersatz für den flüchtigen Reichtum bietet.

    Natürlich war die Beziehung zwischen den beiden viel komplexer und vieles, was sie erlebten – und vor allem fühlten - liegt vermutlich auch im Dunkeln verborgen. Ich habe die oben zitierten Zeilen für mich so interpretiert. Vielleicht tat ich es, weil irgendwann in meinem Leben einmal ein Mann zu mir sagte, er wolle mit mir so eine Beziehung führen wie Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre sie hatten – sprich eine offene. Ich habe es damals nicht verstanden und eine Welt brach für mich zusammen, als ich diese Worte aus seinem Mund hörte. Er wollte auch noch andere Frauen neben mir. Ich konnte es einfach nicht fassen… aber ich verließ ihn nicht, weil ich ihn liebte und weil ich mir erlaubte zu wissen, in ihm meine Zwillingsseele erkannt zu haben.

    Erst gestern habe ich mit ein paar wundervollen Menschen in einem kleinen Pariser Cafe in Le Marais über dieses Thema diskutiert. Über romantische Liebe… über körperliche Anziehungskraft und darüber, wieso die sogenannte Liebe in unserer Gesellschaft zu solch einem „Produkt“ geworden ist. Wieso heutzutage so „spielerisch“ mit diesem kostbaren Gut umgegangen und das Wort „Liebe“ an sich auf eine solch inflationäre Art und Weise verwendet wird. Wieso einige Menschen wild durch die Gegend vögeln und sich nicht darum kümmern, was mit jenem Gegenüber geschieht. Was mit anderen Menschen in ihrem Umfeld geschieht. Warum so viele Menschen Liebe und Sex trennen können und wieso sie es überhaupt trennen… und einer Beziehung – einer möglichen Liebe - einfach keine Chance geben. Was Freiheit in diesem Kontext bedeutet. Wieso so viele Menschen keine Verantwortung für ihr Handeln und Tun übernehmen und weshalb so viele Beziehungen in den letzten Monaten zerbrachen oder gar nicht erst zustande kamen. Was ist los mit uns?! Hat der unablässige Warenkonsumzwang auch auf die Liebe abgefärbt und müssen wir immer neue Menschen „sexuell konsumieren“ um größtmögliche Lust zu erfahren? Fürchten wir uns vor Bindungen? Ist es überhaupt noch möglich, einen Partner fürs Leben zu finden bei dieser Fülle unterschiedlicher Lebensphilosophien und zusammen gebastelter Identitäten? Wird es hier nicht schwierig zueinander zu finden? Was ist mit dem romantischen Ich in uns passiert, dem romantischen Ich, das nicht an die Vereinigung zweier Körper glaubt, wenn nicht zuvor die Seelen im Einklang sind? Was erwarten wir uns von einem Leben in Liebe? Ich weiß, es sind viele… aber ich würde diese Fragen dennoch gerne an Euch weitergeben und auf Antworten hoffen, die wir gestern nicht wirklich finden konnten. Warum auch immer – möglicherweise aufgrund von Enttäuschung und Desillusionierung. Welch Ironie eigentlich – in Paris, der Stadt der Liebe.
     
  9. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    [​IMG]

    Ups, hatte wohl gerade einen flashback in die 60er ;)

    "Gern sähen wir uns als gefallene Engel, aber in Wahrheit sind wir Affen." Desmond Morris



    Sehr aufschlussreich zu der ganzen Problematik, warum selbst Jungs mit Hochschulreife nicht davor gefeit sind, Stuss zu reden, warum Mädels so gern in der Hure/Schwester-Gleichnis schwelgen, warum trotz mehrerer tausend Jahre sogenannter Zivilisation immer noch das Tier in uns der eigentliche Boss ist und wieviel das alles mit der Realität zu tun hat: Desmond Morris "Der nackte Affe" und Folgewerke.




    GAMES WITHOUT FRONTIERS - PETER GABRIEL

    Hans plays with Lotte Lotte plays with Jane
    Jane plays with Willi Willi is happy again
    Suki plays with Leo Sacha plays with Britt
    Adolf builts a bonfire Enrico plays with it
    Whistling tunes we hid in the dunes by the seaside
    Whistling tunes we're kissing baboons in the jungle
    It's a knockout
    If looks could kill they probably will
    In games without frontiers-war without tears
    Games without frontiers-war without tears

    Jeux sans frontieres

    Andre has a red flag Chiang Ching's is blue
    They all have hills to fly them on except for Lin Tai Yu
    Dressing up in costumes playing silly games
    Hiding out in tree-tops shouting out rude names
    Whistling tunes we hide in the dunes by the seaside
    Whistling tunes we piss on the goons in the jungle
    It's a knockout
    If looks could kill they probably will
    In games without frontiers-wars without tears
    If looks could kill they probably will
    In games without frontiers-war without tears
    Games without frontiers-war without tears

    Jeux sans frontieres





     
  10. Heaven

    Heaven Senior Member

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    @ Aglaja: ich finde, du hast wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich denke Polygamie oder der Drang des Mannes nach anderen Frauen hängt einerseits mit dem biologischen Trieb nach möglichst zahlreichen Nachkommen (der sicher unbewusst ist, denn zahlen will ja keiner) und andererseits mit der Selbstbestätigung zusammen. Ich bin der Oberhirsch, ich bin immer noch der Stärkste, ich bekomme alle Weibchen, auch wenn mir schon die ersten grauen Haare wachsen. Insofern ist es ein Spiel, dass nur zur Befriedigung des eigenen Ego dient.

    Dass dies nur der kurzfristigen Befriedigung der Triebe zu nutze kommt, man dadurch aber riskiert die wahre Liebe zu verlieren, sehen sicher die wenigsten im Moment des Genusses.
    I

    Warum so viele Menschen Liebe und Sex trennen können?
    Ich weiß es nicht - ich kann es zumindest auf Dauer nicht und kann es somit auch nicht nachvollziehen.

    und wieso sie es überhaupt trennen… und einer Beziehung – einer möglichen Liebe - einfach keine Chance geben.

    Weil das Angebot so groß ist, dass man anstatt sich ernsthaft mit dem Partner auseinander zu setzten, lieber was Neues, scheinbar Besseres ausprobiert.

    Was Freiheit in diesem Kontext bedeutet. Wieso so viele Menschen keine Verantwortung für ihr Handeln und Tun übernehmen und weshalb so viele Beziehungen in den letzten Monaten zerbrachen oder gar nicht erst zustande kamen.

    Oh, ja warum kommt die Beziehung, die man sich selbst so schön im Kopf ausmalt nicht zustande? Weil das Gegenüber einen ganz anderen Anspruch an seinen potentiellen Partner oder die potentielle Beziehung hat. Weil für ihn andere Dinge wichtig sind.


    Was ist los mit uns?! Hat der unablässige Warenkonsumzwang auch auf die Liebe abgefärbt und müssen wir immer neue Menschen „sexuell konsumieren“ um größtmögliche Lust zu erfahren? Fürchten wir uns vor Bindungen?

    Nein... ich fürchte mich vor denen die sich vor Bindungen fürchten. Ich fürchte mich vor denen, die andere Menschen "sexuell konsumieren" und das Gegenüber nicht so sehen wie Gott ihn gewollt hat.

    Ist es überhaupt noch möglich, einen Partner fürs Leben zu finden bei dieser Fülle unterschiedlicher Lebensphilosophien und zusammen gebastelter Identitäten?

    Als Scheidungskind und aufgrund eigener Erfahrung beginne ich leider diesbezüglich meine Illusionen zu verlieren.

    Wird es hier nicht schwierig zueinander zu finden? Was ist mit dem romantischen Ich in uns passiert, dem romantischen Ich, das nicht an die Vereinigung zweier Körper glaubt, wenn nicht zuvor die Seelen im Einklang sind? Was erwarten wir uns von einem Leben in Liebe?

    Es ist was es ist, sagt die Liebe. Und niemand kann uns davon abhalten zu lieben, nur davor selbst geliebt zu werden. Traurig der, der für niemanden die Nummer eins ist.


     
  11. Eric

    Eric Member

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    It's the same old song... Im uebrigen geschlechtsunspezifisch bidirektional.

    Aber Kafka rockt.

    Gruss aus Amsterdam (wo der Hippie, der was auf sich haelt, mindestens einmal im Jahr hinfaehrt...)
     
  12. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    Ok, schön und gut, das gegenseitige Zeigen mit dem Finger auf das jeweilig andere Geschlecht bringt eigentlich auch nicht weiter, solange man/frau nicht gechecked hat, wie es vor der eigenen Haustür aussschaut, wieviel von dem, was man/frau über die Liebe zu wissen glaubt, eigentlich nur einer pavlowschen Konditionierung hauptsächlich durch Medienkonsum und Gruppenzwang auf maximalen Profit und soziale Anerkennung auch in der Liebe entspringt?. Wieviele wären bereit, nur auf ihr Gefühl zu hören, einer/eine sei der/die richtige, wenn andererseits vom Kopf her signalisiert wird, mit der Wahl dieses Partners/dieser Partnerin stösst Du bei Freunden/Eltern/der Gesellschaft usw. nur Ablehnung, könnte man/frau seinen sozialen/ihren Aufstieg im Ratrace behindern.

    Gerade in einem Artikel gelesen, bei dem es eigentlich um die Medienpräsenz von Frauen geht:
    ......................
    Eine Studie der Universität Mainz beispielsweise, die Anfang 2004 abgeschlossen wurde, zeigte, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem in den Medien, vor allem dem im Fernsehen vorrangig präsentierten Frauenbild, nämlich dem superschlanken, jungen und schönen Frauentypus, und der Verbreitung von Essstörungen wie Bulimie und Magersucht besteht. Danach wirken sich die im Fernsehen, vor allem die in Serien vermittelten Schönheitsideale verheerend auf viele Mädchen und junge Frauen aus. Sie werden von schweren Zweifeln am eigenen Aussehen und Selbstwert geplagt und erhöhen ihre Ansprüche an das eigene Äußere in einer krank machenden Spirale.

    Ähnliche Beobachtungen schilderte Karl-Heinz Ruckgaber, der die psychosomatische Jugendstation an der Filderklinik in Filderstadt-Bonlanden leitet und ständig mit gestörten Jugendlichen und jungen Erwachsenen konfrontiert ist. "Für die jungen Leute gibt es mittlerweile einen unglaublich hohen sozialen Druck - die richtige Kleidung, das richtige Aussehen, die richtige Clique, das garantiert Liebe und Zuwendung - das propagieren die Medien." Besonders das Thema Beziehungen, so Ruckgaber sei jungen Leuten wichtig. Und genau hier vermitteln Fernsehserien und Daily Soaps ein Schönheitsideal, das viele junge Mädchen krank macht.

    Medienforscher Jo Groebel, ehemals Leiter des Europäischen Medieninstitutes in Düsseldorf, sieht in der Auswahl "falscher Vorbilder" allerdings nicht in erster Linie ein Versagen der Medien, sondern mehr das der Gesellschaft, die täglich demonstriere, dass es nur ein einziges Kriterium des persönlichen Wertes gebe: die ökonomische Potenz. Und die werde auch mit gutem Aussehen verknüpft. Dieser Trend werde sich noch forcieren, glaubt Groebel, "denn der Markt nimmt und potenziert das, was sich als erfolgreich erwiesen hat." So erfolgreich, dass 63 Prozent der 13- bis 14-jährigen Mädchen laut einer anderen Umfrage nichts sehnlicher wünschen, als besser auszusehen.


    Der ganze Artikel hier


    Ich denke, bei Männern wird es nicht anders sein. Gehirnwäsche spätestens seit der Schule, verbunden mit dem ständigen Einhämmern einer künstlich konstruirten Abbildung der Wirklichkeit durch Medien aller Art, weil es so lukrativer ist, statt die Wirklichkeit selbst zu abzubilden, haben zu der jetzigen Situation geführt, dass brünftige Männer und rollige Frauen äusserst seltsame und oftmals contraproduktive Verhaltensweisen an den Tag legen.


    "What a man wants" als Frage in einem Seminar zu stellen und darauf eine ernsthafte Antwort finden zu wollen zeigt doch schon eine gewisse Weltfremdheit und wenn ein postpubertärer Knabe halt unbedingt meint, er will keine Frau, die intelligenter als er ist und anderseits aus einem Bestätigungszwang vor sich und anderen den Mädels hinterherpfeift ist das völlig ok, solang dieser Junge nicht als Blaupause für alle Männer genommen wird und berücksichtigt wird, dass es eben auch Männer gibt, denen die höhere oder niedrigerer Intelligenz ihrer Partnerin egal ist oder die erst gar nicht auf Frauen stehen.


    WHAT A MAN WANTS?
    Ganz einfach
    FICKEN, KIFFEN, FRESSEN, SAUFEN ;)



    Wie heisst es bei Heaven so schön in der Sig:
    Emancipate yourself from mental slavery,
    None but ourselves can free our minds


    Also, wer fängt an damit?



     
  13. Heaven

    Heaven Senior Member

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    Gut, da sind die Emotionen mal wieder mit uns durchgegangen. Natürlich wusste ich schon beim Verfassen meiner Fortsetzungsgeschichte, dass das Männerbild, das ich da zeichne nicht völlig korrekt ist. Zum Glück kenne ich auch ein, zwei Männer, die anders sind. Leider sind sie prozentual unterlegen.

    Und ja: ich bin der klassischen Konditionierung unterworfen. In vieler Hinsicht. Und noch mehr ja: ich möchte mich von dieser befreien - deshalb auch mein neuer sig-Spruch.

    Allerdings scheint es mir, als erwartest du ein Funktionieren desselben unter Knopfdruck (also, wer fängt damit an?).
    Das kann natürlich nicht so einfach geschehen, denn Muster und Verhaltensweisen, die so tief sitzen, können nicht von einen auf den anderen Tag verschwinden. Man kann versuchen mit viel Mühe daran zu arbeiten.



     
  14. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    Alles, was ich sage/schreibe ist gelogen,
    auch dass ich so eben gesagt/geschrieben habe,
    dass alles, was ich sage/schreibe, gelogen ist.
     
  15. Nihila

    Nihila Member

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    na ja, es ging mir bei dem text nicht darum, männer und frauen zum tausendsten zu analysieren, ich hab mir einfach nur mal meine gedanken von der seele geschrieben. und nein, ich werde nicht erzählen, was noch dahinter steht.

    das seminar mit der tollen frage (wir fanden die auch reichlich komisch) war so ein englisches grammatik-textlese-sonstwas-dings und wir hatten da halt einen sehr satirischen text namens "what a man wants" und so kam die dozentin auf die frage. hat sie auch nur zum spaß gefragt, das darauf folgende geprügel hat sie nicht beabsichtigt *g*
    ich hab am selben abend noch sehr durcheinander meinen besten freund gefragt und der hat vesucht mir zu antworten, aber das hat mir auch nicht geholfen, denn auch er verhält sich dann mal so und mal so; also frage ich ihn irgendwann mit einbeziehung dessen nochmal.

    jaaaa! kafka rockt. sorry, sabinchen, aber du wirst langsam umzingelt *ggg*
    ich muss nicht nach amsterdam, glaub ich. ich denke manchmal wie ein hippe, aber passe sonst echt nicht in das schema, was solls...allerdings würd ich schon mal gern hin, irgendwann. hm.

    ich glaube ich schreibe gerade konfuses zeug, bin sehr, sehr müde.
     
  16. ~Aglaja~

    ~Aglaja~ Member

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    also.... da ich eine Frau bin, kann ich natürlich auch nur aus der Sicht einer Frau schreiben und gewisse Erfahrungen, die ich in meinem bisher sehr kurzen Leben mit Männern und der Liebe gemacht habe, wiedergeben.



    Zum anderen Thema:
    Es ist nicht einfach, sich so zu lieben, wie man ist... weil ... "the grass is always green on the other side"... und meistens verlangen wir nach dem, was wir selber nicht haben oder was wir selbst nicht sind. Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr individualistisch und narzißtisch geprägt ist und in der Werte wie "alles ist machbar mit viel Geld" oder "ich muss besser und schöner sein als alle anderen" leider sehr weit verbreitet sind. Viele Menschen wenden sehr viel Zeit und Geld und Energie auf, um Äußerlichkeiten zu optimieren... und verkennen dabei, dass vielleicht das Äußere nicht so ganz zum Inneren passt... oder umgekehrt. Hinter dieser wundervoll zurechtgebastelten und gekleisterten Fassade (im wahrsten Sinne des Wortes) verlieren viele Menschen den Bezug zu sich selbst und es entsteht eine innere Leere, die irgendwie wieder gefüllt werden muss: vielleicht mit weiteren schönen Konsumgütern. Andere werden magersüchtig oder bulimisch, um diese Leere zu kompensieren. Es kann heutzutage so leicht passieren, dass man sich selbst so vollkommen fremd wird - ja, sich selbst verliert und nicht weiß, welchen Schritt man als nächstes gehen soll - zugunsten einer Scheinwelt, in der man irgendwie versucht, zu überleben.



    Ich wage zu behaupten, dass ich persönlich mich von der "mentalen Sklaverei" freigemacht habe... und ein erster Schritt dahin war, dass ich vor ca. 7 Jahren meinen Fernseher rausgeschmissen habe und seitdem TV-los lebe... auch wenn mir das ziemlich oft einen ungläubigen oder schiefen Blick seitens meiner Mitmenschen einbringt. Ich konsumiere auch keine sogenannten "Frauenzeitschriften" mehr... weil ich weiß, dass mich das, was ich dort lese und zu sehen bekomme vollkommen abstresst und - noch viel schlimmer: wütend macht!
    Ich bin zwar dadurch nicht mehr so hip und up-to-date - wie man so schön sagt - aber das ist mir ehrlich gesagt vollkommen wurscht. Es gibt so viele andere und schöne Dinge, die man tun kann.... und dass man einen Fernseher braucht (was mir tatsächlich kürzlich jemand erklärte) halte ich für ein Gerücht.

    Ich zitiere ihn immer wieder gerne in diesem Kontext: Noam Chomsky.

    "… die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können…"

    Quelle: 'Media Control' von Noam Chomsky




    Fight Babylon!

    M.
     
  17. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    Schön gesagt Noam, schade dass die Amis und der Rest der Welt so wenig auf Dich hören.
    Ich erlaub mir, das mal zu erweitern. Eltern und Lehrer in demokratischen Gesellschaften sollten bei der Erziehung der Kinder Wert darauf lege, den Kindern das nötige Rüstzeug mitzugeben, dass Besuche von Kursen für geistige Selbstverteidigung zur Abwehr von Manipulation und Kontrolle erst gar nicht nötig werden.

    Ich habe meine Glotze zwar noch, aber die wird am allerwenigsten zum Fernsehen gebraucht, ein paar von meinen alten Musikcomputern haben keinen Monitor, bloss einen TV-Ausgang und ausserdem habe ich aus einem früheren Leben noch eine Sammlung von über 300 Videocasetten, mit (fast) allen Filmen/Dokus, die ich mag und bin so mein eigener Programmchef, wenn ich mal Lust auf optische Reize habe. Bei meinem Kleinen probiere ich halt, ihm nach und nach das oben erwähnte Rüstzeug mitzugeben, ob es klappt, weiss ich dann auch erst in ein paar Jahren. Er darf z.B. bei mir nur öffentlich-rechtliche ohne Werbeeinblendungen im Kinderprogramm schauen und ich achte auch darauf, was er sich ansieht, ich kenn aber genügend Eltern, denen das völlig egal ist und warte jetzt bloss darauf, bis er mit dem Argument kommt, der oder die dürfen das auch sehen. Wird nicht mehr lange dauern.
     
  18. Southernman

    Southernman Boarischer Rebell

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    Bloss a bisserl konfus, nicht schlimm ;)
    Dürfen jetzt bloss noch Hippies nach A-dam fahren? Wusse ich noch gar nicht.
    Aber gerade wenn Du auf die Factory stehst, solltest Du Dich mal in der A-damer Theaterszene umsehen oder falls Du auf Clowns stehst, wie wäre es mit einem workshop in der School of Fools von Django Edwards? Sag Bescheid, falls Du doch mal hinfahrst, dann sag ich Dir noch ein paar Sachen, die gar nix mit Hippie und/oder Kifferei zu tun haben.
     
  19. Nihila

    Nihila Member

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    wahhh, woher weißt du das denn jetzt schon wieder? :eek:

    ich will zum unitheater, aber da muss ich bis zum nächsten herbst warten, denn vorher muss ich zur stimmbildung. eigentlich will ich gar nicht schauspielern, sondern bühnenbild, maske etc machen, das finde ich viel interessanter, aber ohne stimmbildung oder sowas läuft auch das nicht. bzw es könnte laufen, wenn der stimmbildungskurs nicht genau dann wäre, wenn auch theater ist. aber dafür habe ich englisches theater belegt und werde dann alle 2 wochen wegfahren und ein anderes stück sehen...auch sehr cool.

    irgendwie bin ich immer noch konfus. also entweder sind das die nachwirkungen von vorletzem wochenende, oder die vorwirkungen auf das kommende...
     
  20. YinYangFish

    YinYangFish Senior Member

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    Dieses Männer-Frauen-Thema ist doch immer wieder spannend. :sunglasse Um mal aus männlicher Sicht noch was dazu zu sagen: Ich glaube, dass Männer letztlich auch ganz normale Menschen sind, und nicht nur prollige Machos. Nur - und jetzt kommt der eigentliche Clou - sie trauen sich nicht so recht, das zuzugeben und zu zeigen. Schließlich waren ja schon ihre Väter "groß und stark" und die Indianer kannten auch keinen Schmerz. Und außerdem sind die anderen ja auch keine Weicheier (oder dann eben schwul). Also: immer schon die Zähne zusammenbeißen.
    So oder ähnlich - vermute ich mal - wachsen die meisten Jungs auf. Und wo nicht irgendwo andere Vorbilder auftauchen, wird sich das auch nur langsam verändern. Nachahmung ist halt stärker als vieles andere.
    Aber das hat auch was mit den Konditionierungen zu tun, die wir alle so mit uns tragen, sei es durch TV oder ähnliches. Wir sind - kein Wunder, dank unserer Wettbewerbsgesellschaft - einfach überall und leider auch im Privatleben super trainiert darin, uns mit anderen zu messen und dabei auch zu vergleichen, anstatt mal auf uns selbst zu schauen. Ich merke das regelmäßig selber. Da ist so viel los drumrum, zu sich selbst vorzudringen, das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht echt wert drauf legt und sich dafür (immer wieder) entsprechende Auszeiten nimmt.

    @Aglaja: : Dieses Zitat von Noam Chomsky ("… die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können…") das hat was. Deswegen habe ich es auch nochmal kopiert.

    In dem Zusammenhang wollte ich mal fragen, ob jemand von Euch den Film "Rhythm is it" gesehen hat? Da geht es um ein Tanz-Projekt in Berlin, in dem Kinder und Jugendliche (in erster Linie aus eher benachteiligten Milieus) in ein klassisches Tanzprojekt eingebunden werden und dabei lernen (sollen und es zum Teil wohl auch tun), was sie eigentlich noch für unentdecke Potentiale haben, dass es sich lohnt die zu entfalten, und dass man nicht immer mit den anderen konform sein muss. Ist sehenswert!
     
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