Ich muss gestehen, ich finde dieses Thema sehr spannend. Und deswegen mache ich diesen Thread doch noch schon jetzt auf. Zuerst einmal werde ich dazu ein paar Zitate aus dem Thread "Um mal ein bißchen Konstruktiv zu sein...." einstellen, wo diese Frage ja aufkam - anfangs mit der Frage und der Antwort: sowie folgender Erweiterung dazu: Dann gab es da einige grundsätzliche Überlegungen zu: Dass das eine große Aufgabe ist und von verschiedenem abhängt, ob es dazu kommt: Dass Männer alleine das nicht können: Dass Kosten-Nutzen-Rechnungen da wohl nicht weit führen Dass es alles eh anders kommt, wenn es soweit ist: Und dass man vielleicht auch noch später da was ändern kann: Und dass trotz Planung und Vorbereitung das schon sehr elementare Fragen und auch Sorgen aufwerfen kann: Dass es ganz viel mit Verantwortung zu tun haben könnte: Und dann gab es ja auch schon erste Antworten, worum es denn nun geht bei der Erziehung und wie man/frau das machen kann: Ich hoffe mal, ich habe jetzt nichts und niemand übersehen. Dann wäre das der Stand zur Kindererziehung, wo wir nun gerne (etwas gesammelter) weiterdiskutieren können...
Ja, dieses Thema finde ich auch sehr spannend. Ich habe mich auch schon einmal sehr intensiv damit auseinandersetzen dürfen/müssen. Ich bin zu dem Entschluß gekommen, daß zwei elementare Voraussetzungen gibt die für jedes Kind ganz, ganz wichtig sind. Alle anderen Sachen sind, glaube ich zweitrangig. Die beiden Voraussetzungen sind a) Liebe! Das Kind muß immer wissen, daß es geliebt wird! b) Aufmerksamkeit! Wenn man sich intensiv mit den Kindern auseinandersetzt und sie behandelt, wie Menschen (und nicht wie dumme Püppchen) ist man (so glaube ich) auf dem richtigen Weg. Das beeinhaltet natürlich, daß man seine Kinder ernst nimmt. Ich habe oft beobachten müssen, daß viele Menschen mit Säuglingen noch relativ gut "umgehen", aber anfangen die Kinder zu "vernachlässigen" bzw. zu "verwalten" wenn sie sich artikulieren können. Klar, alles nicht mehr so neu, fangen an "doofe" Fragen zu stellen (immer und immer öfter), haben eigene Ansprüche, wollen alles haben, wollen genauso viel Aufmerksamkeit wie der Säugling und, und und. Kurz: sie fangen an lästig zu werden. Das finde ich ganz furchtbar ! Anstatt sich von der Neugierde anstecken zu lassen (und sie teilweise vielleicht sogar selbst neu zu entdecken) und das Kind darin zu unterstützen, wird sie oft unterdrückt und dadurch (meines Erachtens) auch der Geist des Kindes. Was dabei herauskommt, können wir nur allzuoft im täglichen Leben sehen. Kafro hat natürlich recht wenn sie sagt, daß Kinder sich oft gegensätzlich zu den Eltern verhalten. Wenn man das weiß, kann man sich in ihrer Pubertät ja auch mal für ein paar Jahre von seiner spießigen Seite zeigen und alles wird gut ! Zu Erwartungen habe ich hier ja eh schon einiges geschrieben und das trifft halt hier auch wieder zu. Erwartungen zu haben ist der beste Weg enttäuscht zu werden. Viele Menschen haben die Erwartung, ihre Kinder sollten so sein, wie sie selbst - nur ohne die eigenen Fehler! Der Schuß geht zu 100% nach hinten los! Jetzt hätte ich fast noch vergessen, daß ein wichtiger Bestandteil des "Ernstnehmens" ist, konsequent zu sein.
Das mit dem Anstecken lassen finde ich super, weil es auf etwas hinweist, dass im Kinder-Erziehen so erstmal nicht drinnen steckt. Nämlich dass auch die Eltern da was mitnehmen oder sogar lernen können, das Ganze demnachst nicht eingleisig, sondern wechselseitig ist. Und ich befürchte auch, dass der Geist eines Kindes oder wie auch immer man das nennen mag, jedenfalls etwas ganz tief im Inneren da auch drunter zu leiden hat. Auf der anderen Seite: Es kann sich ja auch nicht nur um das Kind drehen. Zum einen wird jedes Kind wohl selbstständiger und kann (will vermutlich auch!) Dinge dann selbst in die Hand nehmen, wenn man damit nicht zu früh drängelt und es später auch zulässt. Zum anderen haben Eltern (oder nachkommende Geschwister ) ja auch Bedürfnisse. Und da gilt es dann eben zu schauen, was zusammen geht. Achso, und was die spießige Seite betrifft, meinst Du nicht, dass auch da Manipulationsversuche garantiert scheitern werden? Kinder merken ja doch, wenn was faul ist. Und wenn Du wirklich im Recht bist mit dem, was Du tust, dann wird Dein Kind das doch womöglich selbst auch erkennen können, oder?!
Na "ernst nehmen" heißt natürlich auch Freiräume lassen, aber auch dem Kind zu erklären, daß die Welt sich nicht nur um das Kind dreht. Das und das lieb gehabt werden kann man sehr schön gemeinsam erklären, Dafür habe ich in der Verwandtschaft ein supertolles Beispiel (dat kopier´ ich dann einfach ). Ach was, sind doch nur Kinder - die kapieren das nicht Wenn wir mal die bekannte Bausparkassenwerbung nehmen. Bin ich persönlich der Meinung, man müßte dem Kind halt verraten, daß die "Spießer" sich aber i.d.R. auch für die nächsten 20 - 30 Jahre von der Bank abhängig machen. Trotzdem würde ich mein Kind wahrscheinlich a) das nicht unbedingt so sagen und b) wahrscheinlich auch dem Kind immer raten auch mal eld zu sparen. Damit will ich sagen, daß ich meinem Kind sicherlich auch mal in unserer Gesellschaft als "vernünftig" geltende Eigenschaften an die Hand geben würde, die ich selbst aber vielleicht gar nicht für so erheblich erachten würde. Im übrigen erziehst Du Deine Kinder ja nicht alleine. Da kommen i.d.R. ja auch noch Oma, Opa, Tanten, Onkel, Nachbarn und vor allem die u.U. total misratenen Freunde und Freundinnen aus Kindergarten, Schule, Uni usw. dazu *haha*
Zumindest würde ich von meiner Seite aus solche Dinge nicht vorenthalten wollen. Dass das sowieso nicht geht, weil es ja noch Familie, Freunde, Schule etc. gibt, ist klar. Dass die auch ihren Einfluss haben, ist auch klar. (Ob das dann Erziehung oder Sozialisation heißen sollte, darüber streiten die Gelehrten noch.) Ich würde es für sinnvoll erachten, wenn ein Kind verschiedene Seiten kennen lernt und dann irgendwann selbst entscheiden kann, wohin die Reise gehen soll. Ohne dass Mama und Papa dann sagen, ob das richtig oder falsch, gut oder schlecht ist (wobei Sorgen und Ängste oder Freude etc. äußern für mich da was anderes ist!), aber dann eben auch ohne dass die womöglich unangenehmen Konsequenzen mancher Entscheidungen sofort von ihnen ausgebügelt werden.
Pit schrieb (noch im Ursprungsthread des ganzen hier): Ich finde das total zweischneidig. Auf der einen Seite hat er ja recht. Wer immer ein Kind groß zieht, muss entscheiden, was denn nun das richtige Essen, die richtige Kleidung für das Wetter draußen etc. Richtig wäre dabei wohl im Sinne von angemessen gegenüber den Bedürfnissen des Kindes. Und bis ein Kind soweit ist, dass es da selbstständig entscheiden kann, das dauert wohl eine Weile. Andererseits: Wie oft wissen wir selbst nicht prinzipiell, was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist - jetzt eher in einem moralischen Sinn z.B.? Was da? Okay, für ein Baby ist das erstmal noch kein Thema. Aber ein Kind wächst und fragt dann z.B. irgendwann, warum sich da zwei Männer innig küssen oder warum die anderen bei Rot über die Straße gehen und es selbst es nicht darf. Und dann? Das sind noch Beispiele, die sich irgendwie klären lassen. Aber ich kann doch nicht in allem sagen, was gut oder schlecht ist, richtig oder falsch. Was für mich stimmig ist, muss für mein Kind noch lange nicht passen. Oder dann wenn jemand stirbt und ein Kind fragt, wo der Mensch denn nun ist? Soll ich ihm dann meine Meinung sagen, meine Vermutung, das, was ich glaube oder hoffe? Oder ehrlich sagen, dass es ich es nicht wirklich weiß? Dass es sich zumindest sein eigenes Bild machen kann - anstelle einfach meine Geschichten und Gedanken weiter zu tragen?
Was für in Thema, da hätten wir auf dem Herzberg darüber quatschen sollen, dass kann man/frau ja gar nicht alles posten, was dazu gesagt werden kann. Es ist so, wie es der Pit mit anmassen in Anführungszeichen sagt, du bist als Mutter/Vater in den meisten Dingen die massgebliche letzte Instanz, die das Sagen hat. Ab einem gewissen Alter machen sich KInder einen Spass daraus, Dich mit warum-Fragen in den Wahnsinn zu treiben. Der Adrian hat aber von mir noch nie gehört, das verstehst Du noch nicht oder da bist Du noch zu klein dafür, die Herausforderung für mich ist dann viel mehr immer, ihm den jeweiligen Sachverhalt so zu erklären, egal, um was es gerade geht, dass er wenigstens Ansatzweise mitbekommt, um was es geht. Und ich habe gemerkt, dass funktioniert meistens, etwas bleibt immer hängen und er kommt bei Bedarf darauf zurück und hackt nochmal nach. Und es war auch für mich oft schon ein Ahaerlebnis zu bemerken, wie er selbst Zusammenhänge begreift und selbst versucht, Schlussfolgerungen zu ziehen - Das hast Du mir damals so erklärt, ist es hier jetzt auch so? Oder er sagt ganz empört, Papa da hast Du mir aber Mist erzählt, wenn mir auf die Spur kommt, dass etwas doch nicht so ist, wie ich ihm weis gmacht habe und erklärt mir ausführlich, wie es sich richtig verhält, z.B. vor ein paar Monaten mal in der Videothek. Die hatten da plötzlich eine Bonbonbar aufgestellt, fürchterlich bunter Kram und natürlich kam die Frage, krieg ich? Ein paar Tage vorher waren wir im Tierpark und hatten auch die bunten Pfeilgiftfrösche gesehen. Also sagte ich ihm, die Bonbons sind giftig und deshalb so bunt wie die Giftfrösche. Vor kurzem kam er darauf zurück und sagte, Papa, das kann nicht stimmen, sonst dürften die Bonbons doch gar nicht verkauft werden. Beim nächstenmal werde ich mir also als für ihn oberste Instanz anmassen müssen, einfach Nein zu sagen. Im Gegensatz zu vielen sogenannten Erwachsenen denkt sich in KInd überhaupt nichts, wenn sich zwei Männer küssen, die mögen sich halt und gut ist es. Und zum Tod, ich bin mit dem Adrian, schon als er auch noch ganz klein war auch immer wieder mal auch auf Friedhöfen spazieren gegangen, wenn ich z.B. meine Mutter zum Grab meines Vaters gefahren habe und ihn mitgenommen habe und diesen Sommer habe ich ihm gezeigt, wie aus Kaulquappen Kröten werden, in einem Wasserbecken neben einem Kriegerdenkmal hier am Waldrand. Wir sind alle paar Tage wieder hingegangen und haben zugeschaut, wie erst die Hinterfüsschen, dann die Vorderfüschen usw. wuchsen. Bei diesem Denkmal ist auch eine Wiese, auf der mehere tausend Bombenopfer begraben sind, schlicht Steinplatten in den Boden eingelassen, mit nur einem Namen darauf. Er wollte natürlich wissen, was das ist, als ich es ihm erklärt hatte musste ich ihm reihenweise die Namen vorlesen, die da standen und dann fiel ihm der Unterschied zu den Gräbern auf anderen Friedhöfen auf, dass da keine Blumen, Kerzen usw, sind. Als ich ihm erklärte, dass ist, weil diese Leute wahrscheinlich keine Angehörigen mehr haben, sagte ok, dann schmücke ich ihre Gräber ein bischen und verteilte gepflückte Wiesenblumen auf den Gräbern im näherem Umkreis. Liebe ist Papa. Mama, manchmal die Geschwister, die Freunde und tot ist, wenn jemand im Himmel ist. Christoph, machs wie die Maike, ein Praktikum mit kids und Du wirdt merken, dass alles ganz anders ist, als Du es Dir ausmalst. Das schönste Kompliment, dass mir der Adrian als Scheidungskind diesen Sommer machte, war - Papa, bei dir ist es zwar härter, aber gerechter - und ich weiss, wie er es meint.
@Southernman: Weißt Du, Du hast mir zu einem Praktikum geraten. Ich habe ja in gewisser Weise schon durch zehn Monate Zivi in einer Kita eins gemacht. Klar, das ist vier Jahre her und ich habe erst danach angefangen, in diese Richtung zu studieren. Da macht man sich manche Gedanken, die man dann mal wieder in der Praxis gegenprüfen könnte. Mir ist völlig klar, was z.B. Pit geschrieben hast, dass man eben in der Praxis entscheiden muss, dann auch daneben liegen kann und es nur im Nachhinein vielleicht mal noch klären kann. Ich habe auch nach meinem Zivi eine Zeit lang öfter auf zwei kleine Kids aufgepasst - das Mädchen gerade in der Grundschule, der Junge noch im Kindergarten. Und ich habe eine Schwester, die 11 1/2 Jahre jünger ist als ich. Aufwachsende Kinder habe ich also schon mehrfach irgendwie miterlebt, mal in Ausschnitten, mal mit noch zu wenig Abstand, um sich ein klares Bild zu machen. Solche Geschichten, wie Du sie schreibst von Deinem Junior, kann ich daher nicht wirklich berichten. Dafür war ich nie so wirklich die Anlaufstelle, weil entweder noch zu jung oder einfach nicht nah genug dran - auch wenn das in der Zivizeit doch manchmal spannend war, weil die Kids da ja doch recht offen sind und es erst recht werden im Laufe der Zeit. Für mich ist gerade einfach spannend, sich da mal Gedanken zu machen, nachzudenken, wie es wohl sein könnte, worum es gehen könnte, was wichtig ist. Als Grundlage vielleicht auch für etwas, das da mal irgendwann kommen könnte. Dass es dann nochmal anders aussieht, so live und 24h, 7 Tage die Woche lang, ist mir absolut klar, hält mich aber trotzdem nicht ab, mich damit grundsätzlich auseinanderzusetzen.
@Pit: Ja, ich habe den Kontext weggenommen. Für mich hat der nicht viel an der grundlegenden Aussage geändert. Ich finde die ja auch nicht prinzipiell negativ, nur eben zweischneidig. Und ich hatte den Eindruck, dass Du diese andere Seite ja durchaus mitgemeint hast, so wie Du jetzt weiter geschrieben hast allemal. Worum es mir ging ist vor allem der Grenzbereich dazwischen, dafür auch sensibel zu sein, wo man vielleicht nicht sagen muss, was man selbst für richtig oder falsch hält oder wie man Dinge beantworten würde, sondern auch Platz für eigene Antworten lässt. Ob das wirklich geht, das muss ich wohl idealerweise eh selbst mal rausfinden.
@ Pit: haha, ich glaube die Gefahr "kopfgesteuert" im echten Leben damit umzugehen ist schon sehr groß. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, daß die meisten hier bei uns im Forum ihren Bauch (im Sinne von Gefühl) nicht zu kurz kommen lassen, wenns erst einmal drauf ankommt . Aber konsequent zu sein ohne auf Prinzipien herumzureiten, ist wirklich eine große Herausforderung.
liebe leute, ich hatte ja jetzt über eine woche kein internet und es ist mir zeitlich unmöglich alle eure feinen posts zu lesen. deshalb kann es sein, dass das, was ich jetzt hier schreiben schon einmal oder öfters geschrieben wurde. meine antwort geht v.a. an frau m. ich kenne viele, viele erzieherinnen, sozpäds, lehrerinnen deren kinder total verkorkst sind. ultra verhaltensauffällig. wie das denkt man sich? ich denke der grund ist, dass sie alles, alles richtig machen wollen. dass sie alle theorien kennen, die es zur thematik gibt und dieses und jenes natürlich alles am kinde ausprobieren. aber das bewirkt oft genau das gegenteil. ich denke, es gibt keine formel für richtige erziehung. und du wirst auch sicher fehler machen - wie das jeder von uns tun wird. aber ein kind kommt nicht an so einem fehler um. es lernt vielleicht auch noch daran, dass auch erwachsene nicht unfehlbar sind. natürlichkeit ist das wichtigste prinzip. auf dein herzen hören und deinem kind diese botschaften zu übermitteln. ihm deine liebe zu schenken ohne es damit einzuengen. und ihm zeit und aufmerksamkeit entgegen zu bringen. das gefühl ernst genommen zu sein und geliebt. damit hast du die wichtigsten grundlagen. der größte prozentteil der mütter auf dieser erde kennt keine pädagogik oder psycholgoie und dennoch kommen feine menschlein dabei heraus.
meinst du mit verkorkste mich ?? ich find mannm sollte seine kinder nicht versuchen zuzsehr festzuhalten denn umso fester man sie fest hält um so mehr wehren sie sich und sind dann irgendwann weg ... ich finde auch man sollte ihnen nichts aufdrängen den das lehnen sie dann sowieso ab ...
lol, nein... du bist doch mein lieblingsmenschlein hier noch was von khail gibran Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie Euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht Eure Gedanken. Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber Nicht ihren Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, Das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal In euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein; Aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch Verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als Lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und Weit fliegen. Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, So liebt Er auch den Bogen, der fest ist. Khalil Gibran: Der Prophet
Hmmm, ja. Mit der Psychologie und der Pädagogik ist das so eine Sache. Vielleicht zuerst die Psychologie - aus meiner Sicht versteht sich: Die hat sich ja sozusagen einen eigenen Zweig zugelegt, der sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, die pädagogische Psy. oder solche (Unter-?) Zweige wie Entwicklungs-/Lernpsych. Bis zu einem gewissen Punkt kann das ja durchaus auch mal Anhaltspunkte geben, wie es denn so ausschaut mit einem Kind. Vielleicht auch mal lesenswert sind solche Sachen wie Eriksons Stufenmodell (wikipedia für den Anfang). Auf der anderen Seite geht es da um so absolut grundlegende Lebensthemen, dass ich sagen würde, mit denen kommt man so oder so in Kontakt. - Naja, was die Psychologie sonst betrifft, muss ich sagen, dass ich da manche Zweifel an der Methodik habe. Natürlich sind die schönen Kriterien Objektivität, Relibilität (Wiederholbarkeit eines Versuchs bei gleichem Ergebnis) und Validität (Prüft der Test wirklich, was er prüfen soll?) prinzipiell super. Nur wie will man das bei einer Wissenschaft wie der Psychologie rausfinden? Reinschauen in die Menschen können die Psychologen ja auch nicht. Und so sind nahezu alle Ergebnisse klassisch behavoiristischer Psychologie erstmal Fremdzuschreibungen, die man hinterfragen kann. Lernpsychologische Modelle wie die der Konditionierung, die man idealerweise ja auch mit Kindern in der Schule anwenden kann (laut manchen Seminaren!) kommen mir eher wie Dressur vor. Danach, was ein Mensch möchte - das gilt für Kinder wie Erwachsene - wird da eher nicht gefragt. Und Motivation so verstanden, dass das Kinder nachher will, was man selbst will - was ich eher Manipulation nennen würde. Um die Psychologen etwas in Schutz zu nehmen: Natürlich kann man viele der Dinge auch methodisch einsetzen, sozusagen als Hilfsmittel. Manche Dinge könen da auch sicher hilfreich sein, z.B. Erkenntnisse darüber, wieviel ein Mensch auf einmal aufnehmen kann etc. Aber bei genügend Sachen erscheint mir das eine absolute Gratwanderung, wenn man mal von vielleicht manchen Ansätzen der psycholanalytischen oder humanistischen Psychologie absieht. Mir würden da Cohn, Rosenberg oder Rogers einfallen (oder in Teilen auch Holzkamp, wobei das sehr speziell und schon beinahe exotiosch ist). Die haben sich auch mit Kindern und Lernen beschäftigt, werden aber z.B. an den Universitäten praktisch nicht gelehrt, weil Pawlow, Skinner und Co. nach wie vor meistens State-of-Art sind. So - und damit mein Senf zur Pädagogik, die ja irgendwie zwischen Psychologie, Soziologie und ihren eigenen Ideen steht. Was mich an den Erziehungswissenschaften beeindruckt hat, ist, dass sie durchaus ein Gespür für ganz viele der heißen Eisen hat, mit denen man es im Laufe der Zeit zu tun bekommt. Das fängt schon ganz grundsätzlich an: Will ich ein Kind zu etwas machen (das Bildhauer-Modell) oder lieber wachsen lassen (der Gärtner)? Und was ist dann Erziehung? Oder ist es gar keine Erziehung, bei der ich das Kind erziehe, sondern Bildung, weil das Kind sich selbst bidlet? Oder lernen? Aneignen von Wissen oder Erfahrungen machen? Und welche Rolle spielt dabei die Gesellschaft in Form von Familie, Freunde, Kindergarten etc. (--> Sozialisation)? Oder nochmal anders: Was antworte ich einem Kind denn, wenn es mich etwas fragt? Weil: Was ist denn nun wahr und richtig und gut (oder besser - wie wir anderswo schon gefragt haben )? Und wie sage ich es denn dann dem Alter angemessen? Oder spielt das keine Rolle, weil ein Kind sowieso fragt, wenn es etwas nicht versteht? Versteht das Kind mich? Und ich das Kind? Und soll ich immer die Wahrheit sagen oder geht manches nich nicht? Wie steht es um das Vertrauen, das ein Kind braucht? Da kommt wieder die Psychologie mit ins Spiel (z.B. Bindungstheorie). Wie sieht es damit aus, dass ein Kind als Junge oder Mädchen geboren wird und später dann zu Mann oder Frau wird? Ob ich nun Fabrikarbeiter oder Uniprofessor, arbeitslos oder alleinerziehend bin? Die Fragen, die die Wissenschaft stellt, nehmen da praktisch kein Ende. Und die möglichen Antworten erst recht nicht. Was es bringt? Das sei dahin gestellt. Denn nach wie vor bleiben doch viele Fragen offen. Wenn man sich anschaut, wie Kinder aufwachsen, wie Jugendliche oder junge Erwachsene heute sind - wie viele wissen nicht so wirklich, was ihnen selbst wichtig ist, wie sie Konflikte friedlich und zum Wohle aller Beteiligten austragen, wie sie mit einem anderen Menschen in einer Partnerschaft umgehen, wie sie achtsam und verantwortungsvoll mit sich und ihrer Umwelt umgehen, wie sie ein einigermaßen ausgeglichenes und glückliches Leben führen können? Das alles sind sehr viele und große Aufgaben. Wir alle müssen die auch für uns lösen, so gut wir können. Denn nur das können wir dann (so gut wir eben können) an die nächste(n) Generation(en) weitergeben. Wissenschaftliche Theorie, auf der ja auch die Ausbildung von Erzieherinnen, Lehrerinnen und sonstigen Pädagogen beruht, mag da z.T. hilfreich sein. Allein wird sie das nicht lösen können. Und wir auch nicht. Denn Fehler machen und damit umgehen, das gehört auch dazu - für die lieben Kleinen und auch für die Großen.
Auch wennßs off-topic ist: Fällt es den Kindern nicht auch irgendwie schwer, ihre Eltern loszulassen? Früher oder später dann eben? Zumal: Bloß das Gegenteil von dem machen, was die Eltern denken, ist ja auch nicht wirklich loslassen.